Das Kirchspiel Mariensee

im Landkreis Karthaus, Danzig-Westpreußen, heute: Przywidz, Gemeinde in der Wojewodschaft Pommern, Polen

Der Name Mariensee im Wandel der Zeit

1294 Priuisa oder Privisa
1437 Margensehe oder Margensee
1570 Mariensehe
1773 Mariensee
 

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Die Geschichte der Kirchengemeinde Mariensee

Schon früh hat es in Mariensee eine evangelische Kirche Kirche gegeben, da die Besitzer von Mariensee evangelischen Glaubens waren. Es war eine kleine Holzkirche mit Strohdach und stand am Fuße des Sees.

Pastoren waren: Johannes Pischel bis 1605, Martin Schmechel 1635 bis 1639, Jacob Gorbandt um 1640 bis 1652, Gottfried Rombaum um 1653, danach Johannes Bernhard, dann Michael Wundsch bis 1699 und Christoph Vizichius 1700 bis 1701.

Zu dieser Zeit gab es in Mariensee 600 Protestanten, aber nur 18 Katholiken.

Doch um 1700 heiratete die letzte Erbin der Besitzerfamilie, Barbara von der Linde, in dritter Ehe den katholischen Bischof Stanislaus Schembeck von Kujawien, und trat ihm zuliebe zum katholischen Glauben über. Zunächst versprach der neue Besitzer den evangelischen Gläubigen Duldung, doch am Sonntag, dem 6.11.1701 hat er  "mit katholischen Leuten und Soldaten die Gemeinde und den Prediger exmitiert, die Kirche nach der Zeremonie der katholischen Religion eingeweiht und dem heiligen Franziskus consecriert und zuletzt des Weinens und Flehens der Lutheraner ungeachtet, die Predigt an diesem höchst tumultarische Weise celebrierten Sonntag von einem Mönch abhalten lassen." Die Demütigung wurde fortgesetzt dadurch, dass der von der evangelischen Kirche bezahlte Lehrer Georg Gronert gezwungen wurde, Choräle zu singen. Er sang: "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" und "Ach, Gott vom Himmel, sieh darein." Und in einem Aufruf des Bischof an die Gläubigen hieß es:" den Vizechius, vormals als des lutherischen Götzenglaubens in Mariensee gewesene Prediger, anzuhalten, dass er sich bei 1000 ungarischen Gulden Strafe und seiner Person Gefängnis nicht unterstehen solle, in Mariensee das Volk weiter zu verführen und die ketzerischen Irrtümer über ihnen auszusäen, sondern sich innerhalb 15 Tagen aus Mariensee zu packen." Dies schrieb der davongejagte Pastor Vizichius in einem Bericht, der in Danzig gedruckt wurde. Im Visitotionsbericht von 1703 wird die gewaltsame Aneignung der Kirche als verdienstvolles Werk bezeichnet.

Die evangelischen Gläubigen klagten noch 1782 auf Herausgabe der Kirche, doch diese Klage wurde am 10.10.1788 in letzter Instanz abgewiesen. Man entschied wohl wie zur damaligen Zeit üblich nach dem Motto: Cuius regio eius religio (= Wes das Land, des der Glaube). Man fügte dem Urteil zu, es sei den evangelischen Gläubigen unbenommen, sich eine eigene Kirche zu errichten.

Der Bischof übergab die nun katholische Kirche 1701 dem Ordensbruder Marquart. Seine Nachfolger waren: 1716 Adalbert Hoffmann, 1750-1784 Johannes Wendt, 1765 auch Benjamin Beyer, 1784 von Bielski, 1791 Wimmer, 1796 Garrant, 1819 von Prygorski und Teichert, 1824 Pordal, 1827 Mysznikowski. 1844 Kapitza, 1852 Zawiszewki, 1861 Jeske, 1873 Ohl, 1900 Schwabe, 1910 von Pradznski, 1912 Ueltermann. 1715/1720 wurde die Kirche abgebrochen uns 1722 neu erbaut. Diese neue katholische Kirche wurde um 1849 für baufällig erklärt, 1855 auch das Pfarrhaus abgerissen, so dass der Geistliche seinen Sitz nach Meisterswalde verlegte. Erst 1903/04 wurde eine neue katholische Kirche für damals gerade 299 Seelen in den überwiegend lutherischen umliegenden Gemeinden erbaut. Es ist eine massive Kirche, die uns- von Danzig kommend- am Ortseingang links begrüßt. Sie blieb bis 1945 Tochterkirche von Meisterswalde.

Den Bau einer neuen evangelischen Kirche verdankt Mariensee dem Gutsbesitzer Steffens, der die Marienseer Güter 1820 erworben hatte. Er ließ die evangelische Kirche aus eigener Tasche, mit Unterstützung der umliegenden Gemeinden, auf dem alten Friedhof errichten. Hier hatte, so bewiesen Fundamentfunde, auch vorher die alte evangelische Kirche gestanden. Am 22.7.1832 wurde die evangelische Kirche eingeweiht und damit die Neugründung der Gemeinde eingeleitet. Die Mitglieder der neuen Kirchengemeinde erklärten sich bereit, jährlich Beiträge von 2 bis 20 Silbergroschen, je nach Grösse des Landbesitzes, zu leisten.

Zunächst haben die Pfarrer von Rheinfeld und Löblau hier abwechseld gepredigt. Im Jahre 1835 übernahm Karl Wilhelm Wiederholt als erster Pfarrer das Amt und behielt es bis zu seinem Tode 1876 inne. Pfarrer Schwanebeck kam 1878. Sein Nachfolger wurde 1878 bis 1904 Pfarrer Friedrich Wilhelm Mielitz und anschließend war  Otto Eduard Wilhelm Janz bis 1913 Pfarrer in Mariensee. Während seiner Dienstzeit wurde 1908 die evangelische Kirche abgebrochen, und eine neue 1910 im Ordensstil am Fuß des Sees erbaut.

Pfarrer Stachowitz wirkte von 1913 bis 1923,  Pfarrer Ernst Mühlradt 1923 bis 1928 und Pfarrer Hass 1929 bis 1940.

Mariensee zählte 1932 3000 Einwohner.

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Ortschaften des Kirchspiels Mariensee

Aus dem Kreise Karthaus: Adl.Lichstaedt, Althütte, Friedrichsdorf, Glasberg, Gorcziskau, Hüttenfeld, Kathrinken, Kleinsee, Kleinseefeld, Krönken, Langereih, Mariensee, Michaelshütte, Neukrug, Niederhütte, Niederklanau, Nieder-Sommerkau, Oberhütte, Oberklanau, Obersommerkau, Pomlau, Pomlauer Gesträuch, Salessen, Schönbeck, Tiefenthal, Weißmist.

Aus dem Kreis Danziger Höhe:  Braunsdorf, Gischkauer Gebiet, Meisterswalde,

Aus dem Kreise Berent:   Adl.Schönfließ, Barenhütte, Gosen, Grenzacker, Kgl. Lichstaedt, Krimken, Niederhölle, Oberhölle, Schatarpi, Scharshütte, Strauchhütte, Schwarzhütte, Strippau, Dorf und Dominium

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Familiennamen in Mariensee

(entnommen den evangelischen Kirchenbüchern 1832-1900, erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit!)

Achtzig, Ahrendt, Bahr, Böttcher, Brauner, Buch, Czerwinsky, Dey, Domröse, Domrehs, Drews, Engler, Fenske, Fischer, Füllbuch, Gehrke, Grant, Graumenz, Grohnert, Grohs, Guse, Hahn, Hannemann, Hase, Heldt, Hildebrandt, Holtz, Hufnagel, Huhn, Jeschke, Kapahnke, Kern, Kindel, Klatt, Klammer, Knorr, Korthals, Koschnitzke, Kowalke, Kowitz, Krause, Kresin, Krönke, Lehrke, Lempke, Lenser, Lindke, Lippke, Loht, Lorenz, Manske, Marczinke, Marohn, Micklein, Musal, Neubauer, Nickel, Partikel, Patzke, Plager, Pischel, Pochert, Radde, Reuter, Rexin, Rick, Plintz, Reinfant, Ringel, Schaldach, Schiemann, Schlicht, Schock, Schoel, Schoewe, Schmude, Schneider,   Schreiber, Schröder, Schulz, Schwarz, Schwertfeger, Segler, Siech, Skomrog, Sonntag, Steinke, Stender, Thun, Tomaczewski, Wachholz,  Wahlberg, Weigler, Wigant, Wischnack, Witting, Wohlfahrt, Wohlfeil, Wolff, Ziemann, Zibuhr, Zube

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Wo sind ev. Kirchenbücher von Mariensee ?

im Ev. Zentralarchiv Berlin

Taufen: 1832 - 1894
Trauungen: 1832 - 1922
Bestattungen: 1832 - 1894

Die Kirchenbücher bei den Mormonen

Evangelische Kirche Mariensee:
Index  1870 - 1923     ( 0364819)
Taufen 1831 - 1857     ( 0245770)
Taufen 1858 - 1874     ( 0245771)
Heiraten 1831 - 1873 und Tote 1858 - 1894 ( 0245772)
Taufen 1874 - 1894 und  Heiraten 1874 - 1922   ( 0364820)
Taufen, Heiraten, Tote 1832 - 1850 ( 0742819)
Taufen, Heiraten, Tote 1851 - 1865 ( 0742820)
Taufen, Heiraten, Tote 1866 - 1869 ( 1766498 Item3)
Katholische Kirche siehe Meisterswalde !

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Hinweise für Forscher

Buchtipp: Trauregister der evangelischen Kirchengemeinde Mariensee 1832-1873 von
J. Dietrich Wörmke 

Wenn Sie evangelische Vorfahren in Mariensee haben und mit Ihrer Forschung beginnen, so ist die Suche zunächst sehr einfach. Die ev. Kirchenbücher Mariensee sind von den Mormonen verfilmt worden und gut zu lesen. Die Bücher beginnen nun allerdings erst 1832 mit Errichtung der neuen evangelischen Kirche (siehe Geschichte der Kirchengemeinde Mariensee). Die Zeit davor ist nicht ganz so einfach, denn da waren offiziell die umliegenden Kirchspiele zuständig: Schönberg, Schöneck, Löblau und Rheinfeld. Man sollte auch die Kirchenbücher von Barkoschin nicht vergessen. Doch habe ich diese Kirchspiele schon untersucht und noch immer nicht alle Daten gefunden. 

Einige Mitforscher hatten mir geraten, lieber in weiter entfernten evangelischen Kirchspielen zu suchen als in andersgläubigen. Doch tatsächlich fand ich einige lang vermisste lutherische Vorfahren in der katholischen Kirche Mariensee, der Tochterkirche von Meisterswalde. Ich vermute, dass der eine oder andere Vorfahre in Ausnahmefällen lieber die katholische Kirche nebenan besuchte, als  z.B. mit einem todkranken Kind für die Taufe eine weite Reise auf sich zu nehmen. Aus diesem Grunde kann ich Ihnen nur raten, auch die katholischen Bücher durchzusehen.

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Quellen:

1.) "Kirchenchronik des Kirchenkreises Karthaus-Kartuzy", von D.Dr.P.Lau (1938)

2.) "Geschichte der Dörfer auf der Danziger Höhe", von John Muhl

3.) "Mariensee im Kreise Danziger Höhe", von Pfarrer Aeltermann in Meisterswalde, Sonderdruck aus dem 53. Bericht des Westpreußischen Botanisch-Zoologischen Verein, Druck: Julius Sauer, Danzig ca. 1931
Einige Mitforscher hatten mir geraten, lieber in weiter entfernten evangelischen Kirchspielen zu suchen als in andersgläubigen. Doch tatsächlich fand ich einige lang vermisste lutherische Vorfahren in der katholischen Kirche Mariensee, der Tochterkirche von Meisterswalde. Ich vermute, dass der eine oder andere Vorfahre in Ausnahmefällen lieber die katholische Kirche nebenan besuchte, als  z.B. mit einem todkranken Kind für die Taufe eine weite Reise auf sich zu nehmen. Aus diesem Grunde kann ich Ihnen nur raten, auch die katholischen Bücher durchzusehen.

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