Geschichte

Die Grafschaft Ostfriesland, 1464 - 1744

Die Linie der Grafen und Fürsten von Ostfriesland beginnt mit der Gründung der Grafschaft Ostfriesland im Jahre 1464: Die Cirksena hatten sich im Kampf der Häuptlingssippen durchgesetzt. Ulrich Cirksena wurde von Kaiser Friedrich III. in den Reichsgrafenstand erhoben und mit Ostfriesland als Reichsgrafschaft belehnt. 

1464 -1466: Ulrich I
1466 -1491: Theda
1480 -1491: Enno I
1491 -1528: Edzart I (genannt "der Große")
1528 -1540: Enno II
1540 -1561: Anna
1561 -1591: Johann
1561 -1599: Edzart II
1599 -1625: Enno III
1625 -1628 Rudolf Christian
1628 -1648 Ulrich II
1648 -1651 Juliane
1651 -1660 Enno Ludwig
1660 -1665 Georg Christian
1665 -1690 Christine Charlotte
1690 -1708 Christian Eberhard
1708 -1734 Georg Albrecht
1734 -1744 Carl Edzart

 

Regierungszeit: 1464–1466

Graf Ulrich I.

* um 1408, Sohn des Häuptlings Enno Edzardisna von Norden und Greetsiel und dessen Ehefrau Gela von Manslagt.

I oo Folcka, Erbtochter des Häuptlings Wibet von Esens. 1440 übertrug sie ihm die Herrlichkeit Esens mit allen ihren Rechten und Gerechtigkeiten. Sie starb 1452. 

II oo 1453 Theda Ukena (* 1432 in Oldersum; † 16. November 1494 in Greetsiel) , Tochter von Uko von Oldersum. Ulrich und Theda hatten sechs Kinder:

Heba (18. November 1457–1476), heiratete Graf Erich I. von Schaumburg-Pinneberg
Gela (1458–1497),
Enno (1460–22. Februar 1491),
Edzard (* Januar 1462, heiratete am 8. Juli 1498 Elisabeth Gräfin von Rietberg)
Uko (1463–1507),
Almuth (1465–1522/23).

Ulrich verlegte seine Hauptresidenz von Greetsiel nach Emden. Aurich wird Sommerresidenz. Gestorben am 25. oder 26.09.1466 auf seiner Burg in Emden wurde Ulrich im Kloster Marienthal zu Norden beigesetzt. 1540 erfolgte die Umbettung in die große Kirche Emden. 1948 wurde der Rest der Gebeine aus der durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten Großen Kirche geborgen und in das 1875/76 auf dem Friedhof zu Aurich errichtete Mausoleum der Ostfriesischen Fürsten überführt. 

Regierungszeit: 1466–1480 (1494)

Gräfin Theda

Nach dem Tod Ulrichs 1466 übernahm sie die Amtsgeschäfte des Hauses Cirksena während der Unmündigkeit ihrer Söhne. 1474 gelang es ihr, den Besitz des verstorbenen Häuptlings Cirk von Friedeburg gegen die Ansprüche von Gerhard VI. von Oldenburg für Ostfriesland zu sichern. Etwa 1480 übergab sie die Regierung schrittweise an ihren ältesten Sohn Enno. Theda starb am 16. November 1494 in Greetsiel und wurde im Kloster Marienthal beigesetzt.

Regierungszeit: 1480–1491

Graf Enno I

 Enno I hatte zunächst andere Interessen, als die Nachfolge von Ulrich I. anzutreten. Erst nach 1480 übernahm Enno mehr und mehr Regierungsaufgaben. Eine förmliche Regierungsübernahme fand nicht statt. 

1489 unternahm Enno eine Pilgerreise und wurde in Jerusalem am Heiligen Grab zum Ritter geschlagen. Während seiner Abwesenheit verliebte sich seine Schwester Almut in den Drost der Friedeburg. Obwohl ihre Mutter Theda gegen die Verbindung war,  ging Almut mit ihrem Verlobten auf die Friedeburg und nahm als Aussteuer ihren Familienschmuck mit. Als Enno heimkehrte glaubte er seine Schwester von ihrem Liebhaber entführt und stellte im Feld vor der Friedeburg stellte den Drost zur Rede. Dieser beharrte auf seiner Liebe und gab Almut nicht wieder her. Noch rechtzeitig erreichte er die Friedeburg, verfolgt von Enno. Als dieser aber den im Winter zugefrorenen Burggraben mit seiner schweren Rüstung überschritt, zerbarst das Eis und er ertrank im Alter von nur 31 Jahren. Der von seiner Mutter Theda in Aftrag gegebene  Totenschild ist noch heute in der Großen Kirche ( heute Johannes a Lasco Bibliothek in Emden) im Bereich der Herrengruft an der Wand zu sehen.

Regierungszeit: 1492–1528

Graf Edzart I. (genannt "der Grosse")

* Januar 1462 in Greetsiel; † 14. Februar 1528 in Emden

 Edzard, zweiter Sohn des Grafen Ulrich und der Theda Ukena, führte nach dem frühen Tod des Bruders  Enno die Regierung über Ostfriesland zunächst gemeinsam mit seiner Mutter, später mit seinem wenig bedeutenden Bruder Uko.

oo 27. Juli 1497 Elisabeth von Rietberg († Juli 1512), sieben Kinder. 

Von 1506 bis 1514 übernahm er die Schutzherrschaft über Stadt und Provinz Groningen. Es folgte die Sächsische Fehde,  eine Auseinandersetzung mit Georg von Sachsen in den Jahren 1514–1517. Die Kriegshandlungen fanden überwiegend auf ostfriesischem Boden statt und zerstörten ganze Landstriche. Zuletzt sah sich Edzard gezwungen, Groningen zu räumen. Aurich war während der sächsischen Fehde völlig zerstört worden und wurde wieder aufgebaut. Dabei wurde die Stellung Aurichs als bedeutender Viehmarkt berücksichtigt und ein  ungewöhnlich großer Marktplatz angelegt, der noch heute den Mittelpunkt der Altstadt bildet.

1517 kam es zum Zeteler Frieden, und die Friesische Wehde (Zetel, Driefel und Schweinebrück) kam endgültig zu Oldenburg. Die Jeveraner huldigten Edzard und es wurde vereinbart, das Jeverland mit der Grafschaft Ostfriesland zu vereinigen. Sein Sohn Enno II. sollte zu diesem Zweck Maria von Jever heiraten. Dieses Versprechen sorgte allerdings dafür, dass das Jeverland auf immer für Ostfriesland verloren ging, weil keiner seiner Söhne die Heiratsversprechen von Edzart dem Großen einhielt.

Um 1520 hielt die Reformation Einzug in Ostfriesland. Graf Edzard I. unterstützte die Verbreitung der neuen Lehre, konnte jedoch ein bestimmtes Bekenntnis für Ostfriesland nicht durchsetzen. So existierten Katholizismus, lutherischer Protestantismus und Calvinismus in Ostfriesland nebeneinander, ohne dass dabei eine Konfession die Oberhand gewinnen konnte. Vielmehr setzte sich im Laufe der Zeit eine Spaltung des Landes in einen lutherischen Osten und einen calvinistischen Westen durch. 

Die Auseinandersetzungen mit Hero Omken gingen noch bis zu dessen Tod im Jahre 1522 weiter. Edzard versuchte, die vom Kaiser zugesicherten Ansprüche auf das Harlingerland durchzusetzen und fiel raubend in das Harlingerland ein, was durch gut ausgebaute Befestigungsanlagen von Wittmund und Esens jedoch nur von mäßigem Erfolg gekrönt war.

Edzard I. ist am 14. Februar 1528 in Emden gestorben und wurde im Kloster Marienthal zu Norden bestattet. 

Regierungszeit: 1528–1540

Graf Enno II

* 1505; † 24. September 1540 in Emden

Enno II regierte in weiten Teilen zusammen mit seinem Bruder Johann. Dieser blieb katholisch, während Enno lutherischer Konfession war und sich für die Reformation in Ostfriesland stark machte.
Enno verlor das Jeverland auf immer für Ostfriesland, da er die Heiratsversprechen seines Vaters nicht einhielt. Enno und sein Bruder Johann hätten die jeverschen Erbtöchter heiraten sollen, aber Enno fühlte sich stark genug, auf andere Weise das Jeverland zu erlangen. Maria von Jever war durch diese Untreue schwer gekränkt und zeitlebens eine erbitterte Feindin Ennos. Sie sorgte dafür, dass das Jeverland nach ihrem Tod an Oldenburg fiel.
Auf Butjadingen verzichtete Enno freiwillig, als er am 6. März 1530 Anna von Oldenburg zur Frau nahm. 

Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor:

Elisabeth, * 10. Januar 1531, † 6. September 1555 (oo Graf Johann V. von Schaumburg-Pinneberg) 
Edzard II. * 24. Juni 1532, † 1. September 1599
Hedwig, * 29. Juni 1535, † 4. November 1616 (oo Herzog Otto II. von Braunschweig-Harburg) 
Anna, * 3. Januar 1534, † 20. Mai 1552
Christoph, * 8. Oktober 1536, † 29. September 1566 (in Komárom (Ungarn))
Johann, * 29. September 1538, † 29. September 1591.

Enno II blieb nur noch das Harlingerland unter dem streitlustigen Häuptling Balthasar von Esens. Diesen konnte Enno zwar 1530 vertreiben, doch kehrte er mit Hilfe des Herzogs von Geldern zurück, verwüstete Ostfriesland und nahm seinen Platz  als Häuptling im Harlingerland wieder ein. In dieser sogenannten Geldrischen Fehde machte Enno ebenfalls keine glückliche Figur. Auch hatte Enno großen Anteil an der Zerstörung vieler ostfriesischer Klöster, deren Besitzungen er zu Geld machte, um damit seine Kriegskasse zu füllen. Enno II. starb mit 35 Jahren. 

Regierungszeit: 1540–1561

Gräfin Anna 

* 14.11.1501 in Oldenburg, † 24.09.1575 in Emden

 Tochter des Grafen Johann V. von Oldenburg und Anne von Anhalt-Zerbst. Nach dem frühen Tod ihres Mannes übernahm Anna 1542 die Vormundschaftsregentschaft für ihre noch unmündigen Kinder. Ihr wichtigster Berater war in allen Belangen ihr Bruder, Graf Christoph von Oldenburg.
Auch in ihrer Regentschaft wurden sowohl beide protestantische Konfessionen als auch Katholiken und Spiritualisten an ihrer Glaubensausübung nicht gehindert. 
Gräfin Anna erließ 1545 eine Polizeiordnung, in der auch das Gerichtswesen von Ostfriesland neu geregelt wurde. 
1556 flammte ein letztes Mal der bewaffnete Konflikt mit dem Harlingerland auf, als Graf Johann II. „der Tolle“ sich eines Landstriches beim Accumer Tief bemächtigte. Anna klagte daraufhin vor dem Reichskammergericht und Johann starb 1562 in Gefangenschaft des Reichskreises.
Folgenschwer erwies sich die Entscheidung, ihre drei Söhne Edzard, Christoph und Johann gemeinsam als Erben der Regentschaft festzulegen. Mit diesem Schachzug wollte sie vermutlich Ostfriesland stärken, doch sie nahm damit Edzard sein Recht auf die alleinige Herrschaft und provozierte einen Konfessionskonflikt: Johann vertrat wie seine Mutter die calvinistische, Edzard II. die lutherische Glaubensrichtung.
Gräfin Annas verstarb am 24. September 1575 .

Regierungszeit: 1561–1591

Graf Johann

* 29.09.1538 in Aurich - † 29.09.1591 auf der Burg Stickhausen

Johann regierte von 1561 bis zu seinem Tod im Jahr 1591  zusammen mit seinem Bruder Edzard II..

Johanns Mutter, Gräfin Anna, nahm Edzard II sein Recht auf alleinige Herrschaft über Ostfriesland, vermutlich um den Einfluss Schwedens einzudämmen, der durch die Ehe Edzards mit der ältesten Tochter des schwedischen Königs Gustav I., nahe lag. Dies hatte allerdings langfristig eine Teilung Ostfrieslands zur Folge, denn Johann vertrat wie seine Mutter die calvinistische, Edzard II. die lutherische Glaubensrichtung.

1559 begann Johann in Stockholm eine Affäre mit einer Tochter des schwedischen Königs Gustav I. (und damit seine Schwägerin), als er Edzart II zu seiner Heirat begleitete. Er wäre fast zum Tode verurteilt worden, hätte er nicht die Fürsprache der englischen Königin Elisabeth I. erhalten. 

Nach dem Tode Johanns 1591 war Edzard II. Alleinherrscher über die Grafschaft Ostfriesland.

Regierungszeit: 1561–1599

Graf Edzart II.

* 24.06.1532 in Greetsiel - † 01.03.1599 in Aurich

 Ennos II. ältester Sohn regierte ab 1558 neben seiner Mutter Anna, von 1561 bis 1591 neben seinem Bruder Johann II., Nach dem Tode des zweitgeborenen Sohnes Christoph im Jahre 1566 verschärfte sich der Machtkampf zwischen Edzard und Johann. Da sich keiner der beiden gegen den anderen durchsetzen konnte, gelang es dem Lutheraner Edzard nicht, eine lutherische Landeskirche einzurichten. 
Nach dem Tode Johanns 1591 war Edzard II. zwar Alleinherrscher über die Grafschaft Ostfriesland, seine Autorität aber hatte stark gelitten. 

oo 01.10.1559 in Stockholm, Katharina von Wasa (* 06.06.539 im Stockholmer Schloss; † 21.12.1610 auf Burg Berum), Tochter des schwedischen Königs Gustav I.. 

Kinder:
Margarete, * 22. November 1560, † 8. September 1588,
Anna, * 26. Juni 1562 in Aurich, † 21. April 1621 in Neuhaus (Böhmen)
Enno III. Graf von Ostfriesland , * 30. September 1563, † Leerort 19. August 1625;
Johann III., * 1566, † 29. September 1625; 
Christoph, *1569, † 1636; 
Edzard, * ca. 1571, † 1572,
Elisabeth, * ca. 1572, † 1573,
Sophie, * 5. Juni 1574, † 20. März 1630,
Karl Otto, * 1577, † 28. Februar 1603,
Maria, * 1. Mai 1582, † 9. Juli 1616 in Dannenberg

Edzard war der einzige ostfriesische Landesherr, der jemals eine Königstochter ehelichte. Das Schwedische Königshaus wollte sich durch diese Verbindung Einfluss an der Nordseeküste sichern. 
1595 kam es zur Emder Revolution, in der die Cirksena aus dem calvinistischen Emden vertrieben wurden und Edzard dem Vertrag von Delfzijl zustimmen musste, welcher ihm eines Großteils seiner gräflichen Macht beraubte. Ferner fällt in Edzards Herrschaft der durch Enno II. verursachte Verlust des Jeverlandes für die ostfriesischen Grafen: Maria von Jever vererbte das Land nach ihrem Tod an die Grafen von Oldenburg.
Die große Kirche in Emden wurde Edzart II als Begräbnisplatz verwehrt, da er Lutheraner war. Er wurde als erster Cirksena 1599 in der Lambertikirche in Aurich begraben, welche dann bis zum Aussterben des Geschlechts im Jahre 1744 die Familiengruft beherbergte.
Edzard II. ist unter anderem direkter Vorfahre des niederländischen Kronprinzen Willem-Alexander und des britischen Kronprinzen William.

Regierungszeit: 1599 bis 1625

Graf Enno III

* 30. September 1563 in Aurich; † 19. August 1625 in Leerort

Ältester Sohn von Edzard II. von Ostfriesland (Haus Cirksena) und Katharina von Schweden. 

ooI  29.01. 1581 Walburga Gräfin von Rietberg , Tochter von Graf Johann II. von Rietberg, Herr zu Esens, Stedesdorf und Wittmund und Agnes Gräfin von Bentheim-Steinfurt.

Kinder:
Sabina Catharina, * 11. August 1582; † 31. Mai 1618:
Agnes,* 1. Januar 1584; † 28. Februar 1616
Johann Edzard, * 10. Mai 1586; † 20. Mai 1586, begraben in Esens (St. Magnus). 

ooII 28.01. 1598 Anna Prinzessin von Holstein-Gottorp

Kinder:
Edzard Gustav, * 15. April 1599; † 18./19. April 1612,
Christina Sophia, * 26. September 1609 in Aurich; † 20. März 1658 in Frankfurt am Main;
Anna Maria, * 23. Juni 1601 in Aurich; † 4. September 1634 in Schwerin;
Rudolf Christian, * 25. Juni 1602; † 17. Juni 1628, Graf von Ostfriesland (1625–1628)
Ulrich II., * 16. Juli 1605; † 11. Januar 1648, Graf von Ostfriesland (1628–1648)

Enno III. erhandelte sich 1600 das ostfriesische Harlingerland. Damit war der Konflikt mit dem Harlingerland endlich beendet. Enno schloss  der Stadt Emden die Emder Konkordate. Als er aber neue Steuern zum Füllen des leeren Staatssäckels erhob, riefen die Emder Truppen die Vereinigten Niederlande zu Hilfe. Nachdem er den Niederländern 1611 auch die Festung Leerort überlassen hatte, stand Ostfriesland so stark unter niederländischer Herrschaft, dass Enno sogar die Aufnahme Ostfrieslands in die Niederlande beantragte. Soweit kam es zwar nicht, aber während des Dreißigjährigen Krieges nutzen die Niederländer Ostfriesland als winterlichen Versorgungstützpunkt und quartierten die gefürchteten Truppen des Söldners Ernst von Mansfeld ab 1622 im Lande ein. So hatte der Dreißigjährige Krieg für Ostfriesland zwar keine militärischen Folgen, aber die Truppen hielten sich an der Bevölkerung schadlos, raubten und legten Brände. 
Enno war völlig hilflos und wurde auf seinen Sitz in Esens durch die gefürchteten Mansfelder sogar seines Geldes beraubt. Nur Emden wurde durch den Emder Wall geschützt. Viele Kaufleute, Reeder und Handwerker siedelten sich in Emden an und die Stadt wurde einer der wichtigsten europäischen Hafen- und Reedereistandorte. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges erlebte Enno III leider nicht mehr...

Regierungszeit: 1625 - 1628

Graf Rudolf Christian

* 02. 06.1602 - † 17. 04.1628 in Berum 

Er war der zweite Sohn von Enno III. aus dessen zweiter Ehe mit Anna Prinzessin von Holstein-Gottorp.  In die Regierungszeit von Rudolf Christian fallen die Heimsuchung Ostfrieslands als Rückzugsgebiet und Quartier ausländischer Truppen, die am Dreißigjährigen Krieg beteiligt waren, und der Beginn der Fehnkultur.

Er erreichte, dass ihm die Stände nach und nach huldigten, sogar die Stadt Emden. Auch das Harlingerland wurde endgültig in die Grafschaft Ostfriesland eingegliedert. Unter seiner Herrschft entstand das ostfriesische Wappen im Jahre 1625.

Rudolf Christian starb im Alter von nur 26 Jahren an einem Stich ins linke Auge. Er war zu dieser Zeit mit einer braunschweigischen Prinzessin verlobt. Da er kinderlos war, wurde sein Bruder Ulrich II. sein Nachfolger als Graf von Ostfriesland.

Regierungszeit: 1628–1648

Graf Ulrich II 

* 6. Juli 1605 -  † 1. November 1648 in Aurich

Als fünftes Kind zweiter Ehe des GRAFEN Enno III kam das Amt als Graf von Ostfriesland nach dem Tod seines Bruders Rudolf Christian 1628 überraschend. Nur widerstrebend trat er das Amt an, da er lieber Alkohol und Speisen genoß als zu regieren. 

Auch in seiner Regierungszeit tobte der Dreißigjährige Krieg, der Ostfriesland große Not durch die Truppen des Grafen von Mansfeld brachte. Ulrich II aber sah dem Treiben des Krieges eher passiv zu und ließ das Land von Kanzlern verwalten. Mitten im Kriege baute er für seine Gemahlin ein Lustschloss in Sandhorst bauen, die Julianenburg, während die Bevölkerung bittere Not zu leiden hatte. Positive Merkmale seiner Regierungszeit: Mit der Verpachtung von Moorflächen bei Timmel begann 1633 die Fehnkultur und Großefehn entstand. Aus Stiftungen des Landesvermögens entstanden 1631 in Norden und 1646 in Aurich Gymnasien, die heute noch als Ulrichsgymnasium und Ulricianum seinen Namen tragen.

Regierungszeit: 1648 - 1651

Gräfin Juliane von Hessen-Darmstadt

* 14. April 1606 in Darmstadt; † 15. Januar 1659 in Westerhof

Die Witwe des Grafen Ulrich II. von Ostfriesland führte vormundschaftlich die Regierung für ihren Sohn Enno Ludwig. Im März 1631 war Juliane aus Hessen-Darmstadt nach Ostfriesland gekommen und hatte noch am selben Tag den Grafen geheiratet. In der Folgezeit gebar sie ihrem Mann die Söhne Enno Ludwig, Georg Christian und Edzard Ferdinand. Statt sich nach Ulrichs Tod um die Regierungsgeschäfte zu kümmern, schickte sie die Söhne ins Ausland, ließ die schwer geschädigte Grafschaft von ihren Günstlingen führen und gab sich der Dekadenz hin. Einer dieser Günstlinge war der Geheimrat Johann von Marenholz, dessen Frau eine Hofdame Julianes gewesen war. Mit dem Geheimrat soll Juliane ein Verhältnis gehabt haben. Juliane verlegte den Hof von Aurich nach Sandhorst, um dort ungestört dem süßen Leben frönen zu können. Viele Edle drängten den jungen Enno Ludwig, nach Ostfriesland zurückzukehren. Schließlich wurde der junge Enno Ludwig vom Kaiser vorzeitig für volljährig erklärt  und Juliane im Mai 1651 aus der Regierung gedrängt und auf den Witwensitz Burg Berum geschickt. Ihr Liebhaber Johann von Marenholz wurde nach einem Schauprozess in Wittmund hingerichtet. Im Jahr 1654 kaufte Juliane das Gut Westerhof bei Osterode am Harz, dort verstarb sie 1659.

Regierungszeit: 1651 - 1660

Graf Enno Ludwig

* 29. Oktober 1632 in Aurich; † 4. April 1660 in Aurich

Enno Ludwig wuchs in den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz auf und genoss dort eine teure Ausbildung. Im Alter von 19 Jahren wurde er am Hof Kaiser Ferdinands III.  zum Reichshofrat ehrenhalber ernannt, wodurch der Kaiser  vorzeitig seine Volljährigkeit und Regierungsfähigkeit anerkannte. Enno Ludwig drängte seine Mutter Juliane überfallartig aus der Regierung und ließ den Günstling und angeblichen Geliebten seiner Mutter am 21. Juli 1651 in Wittmund hinrichten.

Für 15.000 Gulden erkaufte sich Enno Ludwig 1654 die Reichsfürstenwürde, allerdings nur für seine Person und ohne Sitz auf der Fürstenbank im Reichstag. Ursprünglich mit Henriette Katharina von Oranien verlobt, heiratet Enno Ludwig am 07.11.1656 Justine Sophie von Barby. Aus dieser Ehe entstammen zwei Töchter, Juliane Louise und Sophie Wilhelmine. Enno Ludwig verstarb am 04.04.1660 an den Folgen eines Jagdunfalls. 

Regierungszeit: 1660 - 1665

Fürst Georg Christian 

* 6. Februar 1634, Aurich -  † 6. Juni 1665 ebenda

Als zweiter Sohn des Grafen Ulrich II. und seiner Frau Juliane wuchs Georg Christian zusammen mit seinem jüngeren Bruder Edzard Ferdinand am Hofe in Aurich auf. Ab 1649 besuchten sie die Akademien von Breda und Tübingen. Georg Christians Ausbildung endete vorzeitig wegen wachsendem Desinteresse und mangelnder Begabung für weiteren Studien. Als sein Bruder Enno Ludwig 1660 an den Folgen eines Jagdunfalls verstarb und nur Töchter hinterließ, wurde Georg Christian Graf von Ostfriesland.

Georg Christian erhielt am 18. April 1662 die erbliche Reichsfürstenwürde und heiratete im Mai Christine Charlotte, Tochter des württembergischen Herzogs Eberhard III. 

Während seiner Herrschaft kam es zu schweren Konflikten mit den Ständen, die bald die Schwelle eines Bürgerkrieges erreichten und erst durch niederländische Vermittlung beigelegt werden konnten. Unter einem Vorwand ließ 1663 dann der münstersche Bischof seine Truppen in Ostfriesland einmarschieren. Hampoel und die Dieler Schanze wurden erobert und konnten erst 1664 von Niederländischen Truppen zurückerobert werden. Georg Christian überließ diese Probleme seinen Beamten.

Vier Monate nach dem unerwartet frühen Tod Georg Christians gebar seine Frau Christine Charlotte einen Sohn, so dass sie 25 Jahre lang vormundschaftlich die Regierung übernahm.

Regierungszeit: 1665 - 1690

Fürstin Christine Charlotte 

* 21. Oktober 1645 in Stuttgart; † 16. Mai 1699 in Bruchhausen/Hoya

Christine Charlotte war eine geborene Prinzessin von Württemberg.  Als Fürst Georg Christian nach nur drei Jahren Ehe verstarb und sie vier Monate nach seinem Tod einen Sohn gebar, regierte sie als Mutter des zukünftigen Fürsten das Land 25 Jahre lang vormundschaftlich. Sie galt als außerordentlich schön, intelligent und eloquent, aber auch als herrschsüchtig, unnachgiebig, uneinsichtig und verschwenderisch. Sie schloß 1666 mit der Grafschaft Oldenburg einen Grenzvertrag: Die "Goldene Linie" trennt bis heute Ostfriesland vom oldenburgischen Friesland. Innenpolitisch versuchte die Fürstin Ostfriesland in einen absolutistischen Staat zu verwandeln. Die daraus resultierenden Konflikte mit den Ständen führten Ostfriesland mehrmals an den Rand eines Bürgerkriegs. Der Kaiser bestätigte die ostfriesische Ständeverfassung und erklärte ihren Sohn vorzeitig für volljährig. 1690 überließ sie auf Druck der Landstände die Regierung ihrem Sohn und verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens auf ihrem Witwensitz in Berum. 

Regierungszeit: 1690 - 1708

Fürst Christian Eberhard 

* 1. Oktober 1665 in Esens; † 30. Juni 1708 in Aurich

Christian Eberhard wuchs zunächst am Hof in Aurich auf, dann schickte ihn seine Mutter zur Erziehung in die Niederlande, nach Piemont und Frankreich, Italien und Österreich. Da er seit frühester Kindheit kränklich war , wurde er auf allen Reisen von seinem Leibarzt Eberhard Bacmeister begleitet . Nur zögerlich übernahm er die Regierungsverantwortung. 

Seine Herrschaftszeit war von Ausgleichsbemühungen geprägt und durch einige Vergleiche mit den Landständen festigte er den inneren Frieden. Das traf bei der Bevölkerung auf Wohlwollen und er erhielt den Beinamen "der Friedsame".  Christian Eberhard galt als umsichtig und tolerant, gestand den Reformierten weitere Rechte zu, obwohl er selber lutherisch war.  Er starb 1708 wie viele Cirksena bereits in jungen Jahren.

I oo Eberhardine Sophie zu Oettingen-Oettingen, Tochter von Fürst Albrecht Ernst I.

Kinder:
Leopold Ignaz, * Februar 1687, † 11./21. Juni 1687;
Christina Sophia, * 16. März 1688 in Bayreuth; † 31. März 1750 Rudolstadt;
Marie Charlotte, * 10. April 1689, † 9. Dezember 1761
Georg Albrecht, Fürst von Ostfriesland (1708-1734), Ritter des Elefanten-Ordens
Ulrich Friedrich, * 18. Juli 1691; † 21. September 1691;
Karl Enno, * 25. Dezember 1692; † 3. August 1709;
Friederike Wilhelmine, * 4. Oktober 1695; † 29. Juli 1750, Aurich;
Enno August, * 13. Februar 1697; † 3. August 1725
Juliana Luise, * 13. Juni 1698 in Aurich; † 6. Februar 1740 in Harzgerode; 
Christine Charlotte, * 17. September 1699; † 23. August 1733

II oo 1701 Oberförsterstochter Anna Juliana Kleinau (1674-1727), die den Titel Frau von Sandhorst erhielt. 

Regierungszeit: 1708 - 1734

Fürst Georg Albrecht 

* 13. Juni 1690 -  † 12. Juni 1734 auf Schloss Sandhorst

Der zweite Sohn des Fürsten Christian Eberhard erließ Im Jahre 1715 die erste Hengstkörordnung der Welt. Das bedeutet, dass Hengste zur Zucht freigegeben werden müssen.  

Georg Albrecht regierte in einer sehr schwierigen Zeit:. Viele Vorfälle belasteten die Bevölkerung sehr. Allein durch die Weihnachtsflut von 1717 wurden große Landstriche verwüstet, und 2752 Menschen starben. 1726/1727 kam es zum  erneuten Konflikt zwischen dem Fürsten und einem Teil der Stände. Georg Albrecht ging als Sieger hervor, aber durch das schlechte Verhandlungsgeschick des Kanzlers kam es in der Folge nicht zu einer friedlichen Einigung der beteiligten Parteien. 1729/1730 gründete Georg Albrecht einen Sielhafen und nannte ihn Carolinensiel (heute Museumshafen) nach seiner  Gemahlin Sophie Karoline. Sie erhielt vom Fürsten die Domäne Fürstinnen-Grashaus im Carolinengroden zum Geschenk. Um der Alkoholsucht im Lande Einhalt zu gebieten, verbot Georg Albrecht 1731 die Boßelwettkämpfe wegen ,,vielerley Unordnungen und Sauffen, Fressen, Schelten, greulichem Fluchen, schwerem Schlagen und Verwunden". Dies belastete das Verhältnis zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen. 

Georg Albrecht war längere Zeit schwer erkrankt und erlitt einen Schlaganfall. Am 12. Juni 1734 starb er im Alter von nur 44 jahren.

Regierungszeit: 1734–1744

Fürst Carl Edzart

* 18. Juni 1716 in Aurich - † 25. Mai 1744 in Aurich

Carl Edzard  war das vierte Kind des Fürsten Georg Albrecht und der Fürstin Christine Louise, seine älteren Geschwister starben vor dem Erreichen des ersten Lebensjahres. Carl Edzard wurde autoritär und hart erzogen, was dem Kind keinerlei Freiräume und Möglichkeiten zur Selbstentwicklung ließ und dem Zeitgeist entsprechend in römischem Recht, mittelalterlicher Herrschaftsgeschichte und Französisch unterrichtet. Dazu kam das Lesen religiöser Texte. Eine militärische Ausbildung hat Carl Edzard nie genossen, auch für ein Studium blieb keine Zeit. Im Gegensatz zu den vielgereisten Vorfahren kannte er nur seine unmittelbare Umgebung. Selbst Emden hat er  nur einmal von weitem betrachtet, aber nie betreten.

Da der Vater und Fürst Georg Albrecht schon längere Zeit schwer erkrankt war, wurde zum Fortbestand der Dynastie für Carl Edzard eiligst eine Hochzeit arrangiert. Die Stiefmutter wählte die Tochter ihrer ältesten Schwester, die Prinzessin Sophie Wilhelmine von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, als Braut und arrangierte die Verlobung des gerade Sechzehnjährigen mit der zwei Jahre älteren Verwandten. 1734 wurde auf Burg Berum die Hochzeit gefeiert. Bereits drei Wochen später verstarb der Fürst, und Carl Edzard wurde Landesherr von Ostfriesland, ohne auf diese Aufgabe vorbereitet zu sein. Die Stadt Emden und andere renitente Landstände verweigerten ihm die Huldigung. Sehr wahrscheinlich wurden alle Entscheidungen während seiner Regierungszeit von anderen getroffen.

Vier Tage nachdem seine Gemahlin eine Fehlgeburt hatte und die Hoffnungen auf einen Erben zunächst schwanden, besuchte Carl Edzard seine Frau im Jagdschloss Wilhelminenholz in Sandhorst. Nach dem Genuß eines Glases Buttermilch fühlte er sich unwohl und in den folgenden Tagen verschlimmerte sich die Krankheit immer mehr. Schließlich starb Carl Edzard als letzter seines Geschlechts. Ob er vergiftet wurde oder eines natürlichen Todes starb, konnte nie geklärt werden. Nach seinem Tod machte König Friedrich II. von Preußen sein Nachfolgerecht geltend und ließ Ostfriesland von Emden ausgehend ohne Widerstand besetzen, worauf am 23. Juni das Land der Krone huldigte.

Ende der ostfriesischen Fürsten: 1744

Quellen: wikipedia.org, Artikel von Werner Jürgens im Sonntagsblatt am 10.03.2013, Bilder: wikimedia.org